• Deine Tour wechselt zwischen normalem Gehen und kurzen Kletterstellen, etwa an Klettersteig-Einstiegen oder Blockfeldern.
  • Du brauchst für einige Meter beide Hände komplett frei, willst die Stöcke danach aber wieder griffbereit haben.
  • Dein Rucksack hat seitliche Kompressionsriemen oder eine Daisy-Chain, die du bisher nicht für Trekkingstöcke genutzt hast.
  • Du improvisierst bislang mit einer Klemme unter dem Deckel, und die Stöcke rutschen dabei immer wieder heraus.
Das Wichtigste in 30 Sekunden

Für kurze Kletterpassagen gehören Trekkingstöcke fest am Rucksack fixiert, nicht lose in der Hand oder locker am Handgelenk. Die gängigste Methode nutzt die seitlichen Kompressionsriemen zusammen mit einer unteren Fixierung, alternativ eine Daisy-Chain oder eine Eispickelschlaufe am Rucksackboden. Entscheidend ist dabei vor allem eines: Die Spitzen zeigen nach unten und vom Körper weg, und nichts baumelt lose.

Wie stabil eine Befestigung tatsächlich sitzt, hängt stark vom jeweiligen Rucksackmodell und seiner Riemenausstattung ab – nicht jede Lösung passt zu jedem Rucksack gleich gut.

Warum die Fixierung beim Klettern überhaupt zählt

An einfachen Kletterstellen brauchst du beide Hände für Halt und Balance. Baumeln die Stöcke lose am Handgelenk oder stecken nur locker im Netzfach, werden sie schnell zur Stolperfalle oder verhaken sich im Fels. Eine feste, vorher geprüfte Fixierung am Rucksack ist deshalb kein Komfort-Detail, sondern Teil der Absicherung der Kletterstelle selbst.

MethodeEignung beim KletternAufwand
Seitliche Kompressionsriemen + untere FixierungGut geeignetGering, meist ab Werk vorhanden
Daisy-Chain am RucksackbodenGut geeignetMittel, braucht etwas Übung
Eispickelschlaufe mit RiemenBedingt geeignetMittel, nicht auf jedem Modell vorhanden
Improvisierte Klemme unter dem DeckelNicht empfehlenswert beim KletternGering, aber unsicher

So befestigst du die Stöcke Schritt für Schritt

Die folgende Methode funktioniert an den meisten Wanderrucksäcken mit seitlichen Kompressionsriemen und einer Schlaufe am unteren Rucksackende. Übe die Handgriffe einmal in Ruhe zuhause, bevor du sie an der ersten Kletterstelle unter Zeitdruck brauchst.

Vor dem Fixieren prüfen

Die Spitzen zeigen immer nach unten und vom Kopf weg – nie nach oben oder seitlich in Richtung Gesicht. Bei einem Sturz oder Stolpern können ungeschützte Spitzen sonst zu Stichverletzungen führen.

1

Verkürze beide Trekkingstöcke auf die kürzeste sinnvolle Länge und löse die Handschlaufen von deinen Handgelenken, bevor du überhaupt an die Fixierung denkst.

2

Richte die Spitzen nach unten und leicht nach außen aus, sodass sie beim Gehen und Klettern nicht gegen deinen Rücken oder deine Beine stoßen.

3

Lege die Griffe der beiden Stöcke aneinander und bündle sie so, dass sie sich später als ein einziges, kompaktes Paket handhaben lassen.

4

Führe das Stöcke-Paket durch die untere Kompressionsschlaufe oder die Eispickelschlaufe am Rucksackboden und ziehe sie stramm.

5

Schließe den oberen seitlichen Riemen um Schaft und Griffe und ziehe ihn so fest, dass sich das Paket nicht mehr verschieben lässt.

6

Teste den Sitz, bevor die Kletterstelle beginnt: leicht am Rucksack rütteln, die Arme frei schwingen und die Balance prüfen.

Seitenriemen oder Daisy-Chain: zwei bewährte Wege im Vergleich

Nicht jeder Rucksack hat dieselbe Außenausstattung. Die folgenden zwei Methoden sind die verbreitetsten – welche zu deinem Rucksack passt, hängt schlicht davon ab, welche Riemen vorhanden sind.

Seitliche Kompressionsriemen

Diese Methode ist bei fast jedem Wanderrucksack ab Werk vorhanden und lässt sich ohne Zusatzausrüstung nutzen. Sie eignet sich besonders für kurze, einmalige Kletterstellen zwischen längeren Gehpassagen.

Daisy-Chain am Rucksackboden

Diese Reihe kleiner Schlaufen bietet mehr Halt bei häufigem Wechsel zwischen Gehen und Klettern, ist aber nicht bei jedem Modell vorhanden. Nasse oder vereiste Schlaufen lassen sich zudem schwerer greifen.

Eispickelschlaufe: Grenzen kennen

Eine Eispickelschlaufe ist für das Gewicht eines Eispickels ausgelegt, nicht zwingend für zwei sperrige Trekkingstöcke über eine ganze Tour. Sichere sie deshalb zusätzlich mit dem oberen Riemen, statt dich allein auf die Schlaufe zu verlassen.

Faltstöcke und Teleskopstöcke: Unterschiede bei der Fixierung

Nicht jeder Trekkingstock lässt sich gleich schnell verstauen. Teleskopstöcke mit Drehverschluss oder Klemmhebel lassen sich in der Regel auf 55 bis 65 Zentimeter zusammenschieben und behalten dabei ihre volle Länge als ein durchgehendes Rohr – dadurch liegen sie stabil im Riemen und verrutschen kaum. Faltstöcke (Z-Stöcke) sind im zusammengelegten Zustand deutlich kürzer, oft nur 30 bis 40 Zentimeter, bestehen aber aus mehreren, durch eine innere Kevlarschnur verbundenen Segmenten. Diese Segmente können sich im Riemen gegeneinander verschieben, wenn der Riemen nicht über die gesamte Länge des Pakets sitzt. Bei Faltstöcken lohnt sich deshalb ein zweiter, tiefer angesetzter Riemen oder ein zusätzlicher Gummizug, der die Segmente zusammenhält, statt sich allein auf einen einzigen Kompressionsriemen zu verlassen.

Vier Beispiele aus der Praxis

Klettersteig-Einstieg · Sommer · Alpen

Eine vierköpfige Einsteiger-Gruppe wandert bis zum Einstieg eines leichten Klettersteigs und muss dort für einige Minuten beide Hände frei haben. Die Rucksäcke haben serienmäßige Kompressionsriemen.

Anwendungsszenario, kein Testergebnis: Die Seitenriemen-Methode ist hier die passende Wahl – wie schnell die Umstellung tatsächlich gelingt, hängt von Übung und Rucksackmodell ab.
Alpine Gratwanderung · Herbst · Einzelperson

Eine erfahrene Wanderin quert einen schmalen Grat mit kurzen Kletterstellen und wechselt mehrfach zwischen Gehen und Klettern. Ihr Rucksack hat zusätzlich eine Daisy-Chain am Boden.

Anwendungsszenario, kein Testergebnis: Die Kombination aus Daisy-Chain und oberem Riemen ist hier die passende Wahl – zwei Fixpunkte nutzen und den Sitz nach jedem Wechsel neu prüfen.
Waldweg mit Blockstufe · Frühling · Familientour

Eine Familie mit zwei Kindern überquert eine kurze, leicht kletternde Blockstufe auf einem sonst flachen Waldweg. Die Erwachsenen tragen kompakte Tagesrucksäcke mit Kompressionsriemen.

Anwendungsszenario, kein Testergebnis: Die Seitenriemen-Methode ist hier ausreichend – wichtig bleibt, den Sitz vor der Blockstufe nochmal zu prüfen.
Schneeschuhtour mit Felsstufe · Winter · Erfahrene Gruppe

Eine Gruppe quert bei einer Schneeschuhtour eine kurze, aper gewordene Felsstufe und muss die Stöcke für diesen Abschnitt sicher verstauen, während die Hände am Fels Halt suchen. Die Riemen sind teils vereist.

Anwendungsszenario, kein Testergebnis: Eine vereiste Schnalle braucht erfahrungsgemäß mehr Kraft und Zeit – vorheriges Auftauen oder kurzzeitiges Ausziehen der Handschuhe kann helfen.

Passt das zu deiner Situation?

Kurzer Selbstcheck

Ideal, wenn: deine Tour nur kurze Kletterstellen hat und du danach wieder normal weiterwanderst, dein Rucksack feste Kompressionsriemen oder eine Daisy-Chain besitzt und du die Handgriffe vorher einmal in Ruhe geübt hast.

Weniger geeignet, wenn: du über längere Abschnitte durchgehend kletterst und die Stöcke ohnehin komplett im Rucksack verstaut bleiben sollten, oder dein Rucksack keinerlei Außenriemen hat – dann ist ein separates Stocknetz oder eine Nachrüstung sinnvoller als eine improvisierte Lösung.

Die drei häufigsten Fehler

1
Stöcke nur lose ins Netzfach stecken. Ein seitliches Netzfach hält Trinkflaschen, aber keine zwei sperrigen Stöcke an einer Kletterstelle fest – sie rutschen heraus, sobald sich der Rucksack neigt oder du dich nach vorne beugst.
2
Spitzen ungeschützt nach oben oder zur Seite zeigen lassen. Zeigen die Spitzen nach oben, können sie bei einem Sturz oder beim Anlehnen an den Fels zur Verletzungsgefahr werden. Sie gehören immer nach unten ausgerichtet, wie in Schritt 2 beschrieben.
3
Riemen erst an der Kletterstelle zum ersten Mal einstellen. Wer die Riemenlänge nicht vorher zuhause probiert hat, verliert an der Kletterstelle selbst wertvolle Zeit und Konzentration. Ein einmaliger Testlauf vor der Tour beugt dem vor.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich nur einen Stock am Rucksack befestigen und den anderen in der Hand behalten?

Grundsätzlich ja, allerdings verschiebt sich dabei die Gewichtsverteilung leicht zu einer Seite, und die vermeintlich freie Hand ist durch den gehaltenen Stock nicht wirklich frei für Grifffelsen. An echten Kletterstellen solltest du deshalb immer beide Stöcke gemeinsam fixieren, nicht nur einen einzelnen.

Was mache ich, wenn mein Rucksack weder Kompressionsriemen noch Daisy-Chain hat?

Ohne geeignete Befestigungspunkte gehören die Stöcke vollständig im Rucksack verstaut statt außen improvisiert fixiert – eine lose gebundene Schnur oder Schlinge ohne definierten zweiten Fixpunkt kann sich lösen oder verrutschen. Die sichere Lösung ist die Nachrüstung mit einem separaten Stocknetz oder kompatiblen Zurüstriemen, vor der Tour und abseits der Kletterstelle montiert und geprüft.

Wie reinige und pflege ich die Riemen nach einer Tour durch Schnee oder Schlamm?

Riemen aus Nylon oder Polyester lassen sich nach der Tour einfach mit klarem Wasser und einer weichen Bürste von Schlamm- und Salzresten befreien. Lass sie vollständig durchtrocknen, bevor du den Rucksack wieder verstaust, da eingeschlossene Feuchtigkeit auf Dauer die Nähte und Schnallen angreift.

Verändert sich die Fixierung, wenn ich dicke Handschuhe trage?

Mit dicken Winterhandschuhen lassen sich schmale Schnallen und dünne Riemen deutlich schwerer greifen und fest ziehen. Übe den Handgriff deshalb nach Möglichkeit auch einmal mit angezogenen Handschuhen, damit dich die zusätzliche Zeit an einer echten Kletterstelle im Winter nicht überrascht.

Fazit: Feste Fixierung statt loser Stöcke

Trekkingstöcke gehören bei Kletterstellen sicher am Rucksack fixiert, nicht lose am Handgelenk oder locker im Netzfach. Seitliche Kompressionsriemen sind die einfachste Lösung, eine Daisy-Chain oder Eispickelschlaufe ergänzt sie bei häufigem Wechsel zwischen Gehen und Klettern.

Probiere die Methode einmal zuhause an deinem eigenen Rucksack aus, bevor du sie an der ersten Kletterstelle unter Zeitdruck brauchst.

Quellen & Einschätzung
QUELLEDeutscher Alpenverein (DAV) – allgemeine Sicherheitshinweise zu Ausrüstung und Handfreiheit an Kletterstellen (Stand: 2026-09)
QUELLEHerstellerhinweise zu Kompressionsriemen und Eispickelschlaufen gängiger Wanderrucksäcke (Stand: 2026-09)
EINSCHÄTZUNGPraxisempfehlungen zu Reihenfolge und Handgriffen basieren auf eigener Redaktionserfahrung bei alpinen Touren, Stand 2026-09